Windscheidstraße

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Die Windscheidstraße ist eine Anliegerstraße im Leipziger Stadtteil Connewitz. Sie liegt auf den Flurstücken 448/a und 417/1 der Gemarkung Connewitz und hat den amtlichen Straßen­schlüssel 05193.

Verlauf

Die 610 Meter lange Straße beginnt in Verlängerung der August-Bebel-Straße (bis 1945 Kaiser-Wilhelm-Straße) an der Richard-Lehmann-Straße (bis 1945 Kaiserin-Augusta-Straße) und führt geradlinig nach Süden. Dabei entsendet sie die nach Osten führende Gustv-Freytag-Straße sowie die Scheffelstraße. Gegenüber der etwas abknickenden Brand­straße mündet sie schließlich in die Selneckerstraße. Die geradzahligen Hausnummern befinden sich auf der westlichen Straßenseite.

Geschichte

Bebauungsplan 1892

Die Straße wurde um 1890 als Straße G auf Connewitzer Feldflur geplant. Am 29. Oktober 1908 wurde der Beschluss bekannt gegeben, die neue Straße zur älteren Brandstraße ()[1] zu ziehen, da sie als deren Nord­verlängerung verstanden wurde. Demzufolge wurden die neuen Hausnummern von Süd nach Nord vergeben, wobei es noch keine neuen geradzahligen Nummern gab, da die Ostseite der Straße zunächst unbebaut blieb.

Nur ein reichliches Jahr später wurde diese Ent­scheidung geändert. Wahrscheinlich steht dies im Zusammenhang mit dem Vorhaben, die neue Straße nach Süden noch bis zur Teichstraße zu verlängern; die neuen Häuser dort könnten aber nicht mit Adressen der Brandstraße erreicht werden.

Windscheid

Am 15. Januar 1910 wurde bekannt gegeben, der neuen Straße (die jetzt aber weder mit dem Planungs­buchstaben G noch mit dem 15 Monate alten Namen Brandstraße bezeichnet wird) ab 1. Januar 1911 den Namen Windscheidstraße ()[2] zu geben. Mit dieser Benennung wird der Jurist und Leipziger Ehrenbürger Bernhard Windscheid (1817–1892) geehrt.

Mit der Umbenennung wurde auch die Richtung der Straße gedreht (jetzt von Nord nach Süd), wobei die gerade erst vergebenen Hausnummern wieder geändert werden mussten, wobei der heutige Zustand erreicht wurde.

Das Teilstück zwischen Selnecker- und Teichstraße wurde nie gebaut. Auch die an der spät beginnenden Nummerierung erkennbare Absicht, die Gustav-Freytag- und Scheffelstraße nach Westen zu verlängern, so dass die jetzigen Abzweige von der Windscheidstraße echte Kreuzungen würden, wurde nie umgesetzt.

um 1915

Am 1. Januar 1915 begann der Straßenbahnbetrieb auf der Windscheidstraße. Hier verkehrte zwei Jahre lang die aus der Kaiser-Wilhelm-Straße kommende Linie A der Großen Leipziger Straßenbahn, die dann weiter entlang der Brandstraße zum Straßenbahnhof Connewitz führte. Bei der Fusion mit der Leipziger Elektrischen Straßenbahn zum 31. Dezember 1916 wurde die Strecke zunächst nicht wieder mit einer Linie belegt.

Erst am 21. Oktober 1925 wurde hier der Betrieb wieder aufgenommen, zunächst mit der Linie 9, die dann durch die Linie 13 ersetzt wurde, bis zuletzt Linie 1 am 15. Februar 1932 die Strecke übernahm. – Beim Bomben­angriff vom 27. Februar 1945 wurde der stadtnahe Bereich dieser Trasse (Harkort­straße, Dufour­straße) zerstört, so dass die Windscheid­straße nun nicht mehr von Straßenbahnen erreichbar war, obwohl die Gleise hier nicht betroffen waren. Gleichwohl wurde der Betrieb hier nie wieder aufgenommen und die Anlagen zwischen 1946 und 1949 ausgebaut.

Bei der Einführung der Kommunalen Gliederung der Stadt Leipzig zum 18. März 1992 wurde die Straße dem statistischen Bezirk 411 im Ortsteil Connewitz zugeordnet.

Seit dem 1. Juli 1993 gehört die Straße zum Postleitbezirk 04277 (vorher seit 1926 Leipzig S3, seit 1965 7030 Leipzig).

Weblinks

  • Online-Straßennamenverzeichnis der Stadt Leipzig – Hier finden sich im Bereich Altnamen folgende falsche Behauptungen: „Brandstraße (Teilstück): Äußere Brandvorwerksstraße.“ und „Brandvorwerksstraße: benannt nach dem im 16. Jh. am rechten Ufer des Pleißemühlgrabens eingerichteten Vorwerk. [1868]“ Das neue Teilstück der Brandstraße hieß nie Äußere Brand­vorwerkstraße, es lag nicht einmal in der Flucht der Brandvorwerkstraße (diese Bezeichnung würde besser zur parallelen Heilemannstraße passen). Die Brandvorwerk­straße der Süd­vorstadt hat mit der Windscheidstraße überhaupt nichts zu tun.

Literatur

  • Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH (Hrsg.): Vom Zweispänner zur Stadtbahn. Die Geschichte der Leipziger Verkehrsbetriebe und ihrer Vorgänger. Leipzig 1996.
  • Stadtarchiv Leipzig (Hrsg.): LEXIKON Leipziger Straßen­namen. Leipzig: Verlag im Wissen­schafts­zentrum, 1995. Seite 224
  • Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.): Verzeichnis Leipziger Straßen­namen. PDF (ohne Ort, ohne Jahr, ohne Paginierung; Redaktionsschluss Dezember 2018), Seite [2905] – Hier finden sich die gleichen falschen Behauptungen wie in der Onlineversion: „Brandstraße (Teilstück) Äußere Brandvorwerksstraße“ und „Brandvorwerksstraße (siehe Brandvorwerkstraße)“. Das Datum der Erstbenennung als Teil der Brandstraße (1908) fehlt hier, findet sich aber im Artikel zur Brandstraße auf Seite [490]. Dort fehlt aber die Abspaltung der Windscheid­straße 1910, so dass der falsche Eindruck entsteht, die Brandstraße würde immer noch bis zur Richard-Lehmann-Straße reichen!

Fußnoten

  1. korrekte Schreibweise in gebrochener Schrift
  2. korrekte Schreibweise in gebrochener Schrift