Lipsiabrunnen
Der Lipsiabrunnen[1] ist ein Springbrunnen in der Innenstadt. Er befindet sich auf einem namenlosen Platz am Abzweig der Kleinen Fleischergasse vom Barfußgäßchen.
Beschreibung

Der dreistöckige, ca. 5 Meter hohe Brunnen besteht vollständig aus rot-braunem Meißner Granit. Das untere Wasserbecken wird von vier Viertelkreisen umgrenzt, die aber durch Knicke verbunden sind, so dass kein richtiger Kreis entsteht, sondern ein Vierpass. Im Becken steht ein massiver Sockel, von dem vier bärtige Gesichter nach außen blicken, die die vier Temperamente darstellen sollen. Dieser untere Sockel trägt ein mittleres Wasserbecken. In diesem kreisrunden Becken steht ein weiterer Sockel, der vier nackte Jungen zeigt, die nach außen blicken und sich (eigenartig an den Unterarmen verschränkt) an den Händen halten. Die dickliche Gestaltung der Kinder erinnert an barocke Putten. Dieser zweite Sockel trägt eine obere Wasserschale, die durch einen kleinen Sprudel so mit Wasser gefüllt wird, dass sie rundherum am Rand überläuft. Das Wasser tropft in das mittlere Becken, das ebenfalls überläuft, so dass das Wasser nun das untere Becken füllt. Die Sockelfiguren und ‑gesichter bleiben dabei trocken.
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Unterer Sockel
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Oberer Sockel
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Plakette
Geschichte
Der kleine Platz entstand bei der Neubebauung dieses Viertels Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals wurde das ursprünglich schon an der Klostergasse endende Barfußgäßchen nach Westen bis zum Dittrichring verlängert. Dabei wurde 1904 die alte Bebauung Kleine Fleischergasse 1–7 abgebrochen, 1906 auch die Grundstücke Kleine Fleischergasse 9–15. Während letztere 1910 durch das Lipsia-Haus überbaut wurden, war die Restfläche für eine bauliche Nutzung zu klein, so dass hier ein Stadtplatz mit Brunnen entstand.
Der Springbrunnen wurde 1913 vom Bildhauer Max Lange (1868–1947) geschaffen. Darauf verweist eine kleine Plakette, die in den unteren Beckenrand eingelassen ist.
Einen offiziellen Namen gab es damals offensichtlich nicht. Wegen der vier Jungen im oberen Sockel wurde er oft Puttenbrunnen genannt, aber auf einer alten Postkarte[2] findet sich auch der Name Barfuß-Brunnen (sicher wegen der Lage am Barfußgäßchen). Später setzte sich (wohl wegen der Lage am Lipsia-Haus) der Name Lipsiabrunnen durch.
Die Stadtverwaltung bezeichnet den Brunnen offiziell als Lipsiabrunnen (ohne Bindestrich), vgl. Übersicht Springbrunnen (Stand 2019), Nr. 8; gibt die Lage aber mit „am Kaffeebaum“ an.
Weblinks
- Leipzig-Lese
- Eintrag in der Denkmalliste – Kopie (PDF, 166 kB)
- Lage auf OpenStreetMap
Literatur
- Becker, F.: Der neue »Puttenbrunnen« in Leipzig. – Aus: Kunstchronik. Neue Folge. 24. Jahrgang. Leipzig: E. A. Seemann, 1913. Spalte 552 – Digitalisat der UB Heidelberg – Kopie (JPG, 163 kB)
Fußnoten
- ↑ Für die oft zu lesende Schreibweise „Lipsia-Brunnen“ gibt es keinen orthographischen Grund. Zusammengesetzte Substantive werden zusammengeschrieben; beim Löwenbrunnen oder Rathausbrunnen gibt es auch keine Bindestriche.
- ↑ Hier sieht man auch, dass der Quellsprudel ursprünglich viel größer war und der Brunnen mehr Wasser führte als heute.