Rudolf-Sack-Straße: Unterschied zwischen den Versionen
→Lage: +Stadtplan 1946 |
+aktuelles Foto |
||
| (4 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 1: | Zeile 1: | ||
[[Datei:exRudolfSackStrasse2025.jpg|thumb|240px|2025 – Blick nach Norden]] | |||
Die '''Rudolf-Sack-Straße''' war eine Anliegerstraße im Stadt­teil [[Lindenau]]. Sie lag auf dem Flurstück 768/a der Gemarkung [[Lindenau (Gemarkung)|Lindenau]]. Ein amtlicher [[Straßenschlüssel]] ist nicht überliefert. – Die Straße ist zwar als breiter Fußweg noch vorhanden, hat aber keinen Namen mehr. | |||
Die '''Rudolf-Sack-Straße''' war eine Anliegerstraße im Stadt­teil [[Lindenau]]. Sie lag auf dem Flurstück 768/a der Gemarkung [[Lindenau (Gemarkung)|Lindenau]]. Ein amtlicher [[Straßenschlüssel]] ist nicht überliefert. – Die Straße ist zwar als | |||
==Lage== | ==Lage== | ||
[[Datei:RudolfSackStrasse1946.jpg|thumb|240px|1946]] | [[Datei:RudolfSackStrasse1946.jpg|thumb|240px|1946]] | ||
Die 155 Meter lang Straße führte geradlinig und kreuzungs­frei von der [[Aurelienstraße|Aurelien­straße]] in einer südlichen Richtung zur [[Karl-Heine-Straße]]. Dabei lag sie | Die 155 Meter lang Straße führte geradlinig und kreuzungs­frei von der [[Aurelienstraße|Aurelien­straße]] in einer südlichen Richtung zur [[Karl-Heine-Straße]]. Dabei lag sie direkt an der Böschung des linken (westlichen) Ufers des [[Karl-Heine-Kanal]]s, so dass die linke (östliche) Straßen­seite nicht bebaubar war. Die einzig vergebene Haus­nummer 1 befand sich an der Ecke zur Aurelien­straße. | ||
==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die Straße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts angelegt. Erstmals erscheint sie 1894 im ''Leipziger | Die Straße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts angelegt. Erstmals erscheint sie 1894 im ''Leipziger Adreß­buch'', damals hieß sie '''Quai­straße''' {{Fraktur|Quaistrasse}}. Mit diesem Namen wurde Bezug auf das Kanal­ufer genommen. Vermutlich wurde der Straßen­name aber bereits vor der Ein­gemeindung von Lindenau nach Leipzig 1891 vergeben, da er in der West­vorstadt schon für die heutige [[Carl-Maria-von-Weber-Straße]] galt. | ||
Ursprünglich war wohl geplant, die Quaistraße weiter nach Süden in den Stadtteil Plagwitz zu verlängern, wo sie noch die [[Weißenfelser Straße]] kreuzen und an der ''Jahn­straße'' (heute Teil der [[Industriestraße|Industrie­straße]]) enden sollte | [[Datei:QuaistrasseLindenau1895.jpg|thumb|240px|1895]] Ursprünglich war wohl geplant, die Quaistraße weiter nach Süden in den Stadtteil [[Plagwitz]] zu verlängern, wo sie noch die [[Weißenfelser Straße]] kreuzen würde und an der ''Jahn­straße'' (heute Teil der [[Industriestraße|Industrie­straße]]) enden sollte. Dieses Vor­haben wurde aber nicht umgesetzt. | ||
In den Adressbüchern 1905 und 1906 wird die moderne Schreibweise '''Kai­straße''' {{Fraktur|Kaistrasse}} benutzt. | In den Adressbüchern 1905 und 1906 wird die moderne Schreibweise '''Kai­straße''' {{Fraktur|Kaistrasse}} benutzt. | ||
Da immer noch das Problem der Namens­gleichheit zur West­vorstadt bestand und damals Alt-Leipziger Straßen generell ihre Namen behalten konnten, wurde am 14. April 1906 bekannt gegeben, dass die Kaistraße in Lindenau den neuen Namen '''Rudolf-Sack-Straße'''<ref>Die Falsch­schreibung des Vornamens ist auf [[Dudens Vornamenreform]] zurückzuführen, der 1902 ausdrücklich die Schreibung „Rudol'''ph'''“ verbot. </ref> {{Fraktur|RudolfSackStrasse}} erhält. Dies trat am 1. Januar 1907 in Kraft (vgl. [[Bekanntmachung vom 14. April 1906|Bekannt­machung vom 14. April 1906]]). | |||
Da | |||
[[Datei:SackR.jpg|thumb|left|130px|Rudolph Sack]] Mit dieser Be­nennung wurde nun der Leipziger Unternehmer [[Rudolph Sack]] (1824–1900) geehrt. Die von ihm im Jahre 1863 in Plagwitz gegründete Landmaschinen­fabrik hatte sich inzwischen auch auf die Lindenauer Seite der Karl-Heine-Straße ausgedehnt. So blieb beim Straßen­namen ein Ortsbezug erhalten: während der alte Name wegen des Kanals auf der Ostseite der Straße gewählt wurde, bezog sich der neue Name auf das Fabrik­gelände der Firma [[Rud. Sack KG]], das unter anderem fast die gesamte Westseite der Straße einnahm. | |||
<div style="clear:both;text-align:center"> | |||
<gallery widths=220> | <gallery widths=220> | ||
| Zeile 21: | Zeile 23: | ||
RudolfSackStrasse1913b.jpg|1913 – Blick nach Nordwesten | RudolfSackStrasse1913b.jpg|1913 – Blick nach Nordwesten | ||
</gallery> | </gallery> | ||
</div> | |||
Im letzten ''Leipziger Adreßbuch'' 1949 wird der Straßenname noch aufgeführt; danach verlieren sich seine Spuren. Offensichtlich wurde die Straße vom Betriebs­gelände des VEB Boden­bearbeitungs­geräte Leipzig, wie die Fa. Rud. Sack jetzt hieß, überbaut und eingezogen. Ob eine förmliche Aufhebung des Namens stattfand, ist nicht überliefert. | Im letzten ''Leipziger Adreßbuch'' 1949 wird der Straßenname noch aufgeführt; danach verlieren sich seine Spuren. Offensichtlich wurde die Straße vom Betriebs­gelände des VEB Boden­bearbeitungs­geräte Leipzig, wie die Fa. Rud. Sack jetzt hieß, überbaut und eingezogen. Ob eine förmliche Aufhebung des Namens stattfand oder dieser einfach nur vergessen wurde, ist nicht überliefert. | ||
Nach dem Abbruch der industriellen Bebauung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre kam die ursprüngliche Straße wieder zum Vorschein. Inzwischen ohne Namen bildet sie jetzt den Ostrand des [[Jahrtausendfeld]]s. Der nördliche Teil wird als Spielplatz genutzt. | Nach dem Abbruch der industriellen Bebauung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre kam die ursprüngliche Straße wieder zum Vorschein. Inzwischen ohne Namen bildet sie jetzt den Ostrand des [[Jahrtausendfeld|Jahrtausend­feld]]s. Der nördliche Teil wird als Spielplatz genutzt. | ||
Im Jahr 2001 erhielt eine ganz andere Straße im Stadtteil Plagwitz den Namen [[Rudolph-Sack-Straße]]. | Im Jahr 2001 erhielt eine ganz andere Straße im Stadtteil Plagwitz (die vorherige Fröbel­straße) den Namen [[Rudolph-Sack-Straße]]. | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
*{{Literatur|Eschner 1910}}, Seite 168 | *{{Literatur|Eschner 1910}}, Seite 168 | ||
*Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.): [https://www.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.1_Dez1_Allgemeine_Verwaltung/12_Statistik_und_Wahlen/Raumbezug/Leipziger_Strassennamen.pdf Verzeichnis Leipziger Straßennamen]. PDF (ohne Ort, ohne Jahr, ohne Paginierung; Redaktionsschluss Dezember 2018). – Hier ist die Straße völlig unbekannt. Gab es sie überhaupt? Waren es keine Leipziger Straßennamen? | |||
==Fußnoten== | ==Fußnoten== | ||
Aktuelle Version vom 29. September 2025, 15:17 Uhr

Die Rudolf-Sack-Straße war eine Anliegerstraße im Stadtteil Lindenau. Sie lag auf dem Flurstück 768/a der Gemarkung Lindenau. Ein amtlicher Straßenschlüssel ist nicht überliefert. – Die Straße ist zwar als breiter Fußweg noch vorhanden, hat aber keinen Namen mehr.
Lage

Die 155 Meter lang Straße führte geradlinig und kreuzungsfrei von der Aurelienstraße in einer südlichen Richtung zur Karl-Heine-Straße. Dabei lag sie direkt an der Böschung des linken (westlichen) Ufers des Karl-Heine-Kanals, so dass die linke (östliche) Straßenseite nicht bebaubar war. Die einzig vergebene Hausnummer 1 befand sich an der Ecke zur Aurelienstraße.
Geschichte
Die Straße wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts angelegt. Erstmals erscheint sie 1894 im Leipziger Adreßbuch, damals hieß sie Quaistraße ()[1]. Mit diesem Namen wurde Bezug auf das Kanalufer genommen. Vermutlich wurde der Straßenname aber bereits vor der Eingemeindung von Lindenau nach Leipzig 1891 vergeben, da er in der Westvorstadt schon für die heutige Carl-Maria-von-Weber-Straße galt.

Ursprünglich war wohl geplant, die Quaistraße weiter nach Süden in den Stadtteil Plagwitz zu verlängern, wo sie noch die Weißenfelser Straße kreuzen würde und an der Jahnstraße (heute Teil der Industriestraße) enden sollte. Dieses Vorhaben wurde aber nicht umgesetzt.
In den Adressbüchern 1905 und 1906 wird die moderne Schreibweise Kaistraße ()[2] benutzt.
Da immer noch das Problem der Namensgleichheit zur Westvorstadt bestand und damals Alt-Leipziger Straßen generell ihre Namen behalten konnten, wurde am 14. April 1906 bekannt gegeben, dass die Kaistraße in Lindenau den neuen Namen Rudolf-Sack-Straße[3] ()[4] erhält. Dies trat am 1. Januar 1907 in Kraft (vgl. Bekanntmachung vom 14. April 1906).

Mit dieser Benennung wurde nun der Leipziger Unternehmer Rudolph Sack (1824–1900) geehrt. Die von ihm im Jahre 1863 in Plagwitz gegründete Landmaschinenfabrik hatte sich inzwischen auch auf die Lindenauer Seite der Karl-Heine-Straße ausgedehnt. So blieb beim Straßennamen ein Ortsbezug erhalten: während der alte Name wegen des Kanals auf der Ostseite der Straße gewählt wurde, bezog sich der neue Name auf das Fabrikgelände der Firma Rud. Sack KG, das unter anderem fast die gesamte Westseite der Straße einnahm.
Im letzten Leipziger Adreßbuch 1949 wird der Straßenname noch aufgeführt; danach verlieren sich seine Spuren. Offensichtlich wurde die Straße vom Betriebsgelände des VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig, wie die Fa. Rud. Sack jetzt hieß, überbaut und eingezogen. Ob eine förmliche Aufhebung des Namens stattfand oder dieser einfach nur vergessen wurde, ist nicht überliefert.
Nach dem Abbruch der industriellen Bebauung in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre kam die ursprüngliche Straße wieder zum Vorschein. Inzwischen ohne Namen bildet sie jetzt den Ostrand des Jahrtausendfelds. Der nördliche Teil wird als Spielplatz genutzt.
Im Jahr 2001 erhielt eine ganz andere Straße im Stadtteil Plagwitz (die vorherige Fröbelstraße) den Namen Rudolph-Sack-Straße.
Literatur
- Eschner 1910, Seite 168
- Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.): Verzeichnis Leipziger Straßennamen. PDF (ohne Ort, ohne Jahr, ohne Paginierung; Redaktionsschluss Dezember 2018). – Hier ist die Straße völlig unbekannt. Gab es sie überhaupt? Waren es keine Leipziger Straßennamen?
Fußnoten
- ↑ korrekte Schreibweise in gebrochener Schrift
- ↑ korrekte Schreibweise in gebrochener Schrift
- ↑ Die Falschschreibung des Vornamens ist auf Dudens Vornamenreform zurückzuführen, der 1902 ausdrücklich die Schreibung „Rudolph“ verbot.
- ↑ korrekte Schreibweise in gebrochener Schrift