Löwenbrunnen
Der Löwenbrunnen ist ein Ziehbrunnen in der Leipziger Innenstadt. Er befindet sich am offenen Südrand des Naschmarkts. Die Vorderseite liegt direkt an der Grimmaischen Straße.
Beschreibung

Die Anlage ist streng symmetrisch. Der mittlere Teil mit quadratischem Grundriss trägt links und rechts zwei eiserne Handschwengel sowie vorn den Wasserspeier, der ein flaches Becken füllt. Beidseits dieses hohen Mittelteils befinden sich zwei flachere Bänke, auf denen je ein eiserner, nach außen blickender Löwe ruht.
Geschichte
Der Löwenbrunnen ersetzte einen Delphinbrunnen, der sich (ganz unabhängig vom ehemaligen Herkulesbrunnen in der Platzmitte) seit mindestens 1710 an dieser Stelle befand. Ein Plan, der Hans August Nienborg zugeschrieben wird und auf „um 1707–1710“ datiert ist, zeigt auf dem Naschmarkt zwei Röhrkästen[1]: den des Herkulesbrunnens und den an der Grimmaischen Straße.

Eine Abbildung dieses Vorgängers findet sich auf einem Kupferstich, den Joachim Ernst Scheffler 1749 schuf (unterer Bildrand). Der alte Brunnen hatte die Gestalt einer Glocke, an deren Seiten vier von je einem Kind gerittene Delphine nach unten glitten. Den oberen Abschluss bildete ein an ein Zwiebeltürmchen erinnernder Aufsatz.
Wann und warum der Delphinbrunnen ersetzt wurde, ist nicht überliefert. Ebenfalls ist nicht bekannt, ob ein Zusammenhang mit dem Verschwinden des Herkulesbrunnens besteht.

Ein auf „um 1810“ datierter Kupferstich zeigt dann die Grundform des heutigen Löwenbrunnens. Er bestand zunächst aus Holz; die Löwen waren goldfarben und lockig. Ob es sich hier um eine künsterische Freiheit des Stechers handelt, ist unklar. Überliefert ist, dass die heutigen Eisenteile um 1820 nach einem Entwurf von Gottfried Schadow (1764–1850) in Lauchhammer gegossen wurden. Auffallend ist, dass es ursprünglich zwei Auslässe in das Becken gab: für jeden Schwengel einen eigenen. Es handelt sich also um einen Doppelbrunnen.
Nach einer Stiftung des Zigarrenfabrikanten Hugo Haschke (1865–1918) ersetzte der Architekt Hugo Licht im Jahre 1918 alle Holzteile durch Steinquader. Daran erinnert eine Inschrift auf der Rückseite des Brunnens. Gleichzeitig wurden auch die beiden Auslässe durch einen einzigen ersetzt, der die Form eines Froschmauls hat.
Weblinks
- Eintrag bei Bildlexikon Leipzig – Hier wird die Geschichte des Löwenbrunnens mit der des Herkulesbrunnens verwechselt.
- Eintrag in der Denkmalliste
Fußnoten
- ↑ Ein „Röhrkasten“ war ein unterirdischer Behälter, der mit Wasser aus der Röhrenfahrt befüllt wurde. Die „Röhrenfahrt“ war ein System von Holzröhren, die Wasser in der Innenstadt verteilten, das die Wasserkünste aus dem Pleißemühlgraben entnahmen. Die Brunnen bezogen also kein Grundwasser.